IT-Welt und Digitalisierung

Digitalisierung muss einen sichtbaren Nutzen stiften. Technik um der Technik willen wäre der falsche Ansatz.

Jörn Weigle, Vice President IT

Nun sind Sie zwölf Monate bei Vetter. Wie geht es Ihnen nach einem Jahr im Unternehmen und wie würden Sie die Zeit beschreiben?
Jörn Weigle: Es geht mir wunderbar. Ich hatte einen schönen Start bei Vetter. Das lag hauptsächlich an der von Vetter sehr gut vorbereiteten sechsmonatigen Übergangsphase von meinem vorherigen Arbeitgeber. In dieser Zeit konnte ich schon einige Termine bei Vetter wahrnehmen, Gespräche führen und wichtige Dokumente sichten. Dadurch war es am 1. Oktober 2018 ein sehr sanfter Einstieg. Das erste Jahr war für mich eine äußerst intensive und spannende Lernphase.
Wie unterscheidet sich die Arbeit bei Vetter von Ihrem vorherigen Arbeitgeber?
Jörn Weigle: Aus der Automobilindustrie kommend waren die Prozesse im pharmazeutischen Umfeld neu für mich. Die regulatorischen Bedingungen, die wir in der Fertigung bei Vetter haben, sind deutlich restriktiver als die im Fahrzeugbau. Die IT hingegen selbst war natürlich nicht neu für mich, da sie in Grundzügen ähnliche Systeme nutzt und sich mit ähnlichen Themen befasst. Dennoch war es wichtig, schnell einen Überblick über die Systeme, deren Kritikalität und die damit unterstützten Prozesse zu erhalten.

Das Thema Digitalisierung ist in aller Munde. Wo sehen Sie Chancen der Digitalisierung für Vetter?
Jörn Weigle: Die Digitalisierung betrifft das ganze Unternehmen, wobei die IT natürlich bei der Umsetzung eine zentrale Rolle spielt. Die aus meiner Sicht größte Chance liegt in der Verschlankung von Prozessen und damit in der Effizienzsteigerung. Sind die Prozesse einmal digitalisiert, können wir sie auch ganz anders steuern. Aus einem digitalisierten Prozess lassen sich auch Erkenntnisse gewinnen, die wiederum zur Optimierung der Abläufe verwendet werden können, beispielsweise in der pharmazeutischen Produktion oder der Qualitätskontrolle.

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft wagen: Inwiefern wird sich das Aufgabengebiet der IT in den nächsten fünf Jahren ändern?
Jörn Weigle: Bedenkt man, dass in fünf Jahren viele Prozesse durchgängig digitalisiert sind wird die IT produktionskritischer sein als heute. Wir werden mehr damit beschäftigt sein, die Systeme entsprechend ihrer Produktionskritikalität bereitzustellen. 24/7-Support, Systeme mit Fallbacks und Notprozessen, die so robust sind, dass die Produktion von IT-Ausfällen möglichst nie beeinträchtigt wird. Des Weiteren wird der integre Umgang mit Daten in den kommenden Jahren immer wichtiger werden. Sobald Daten digital erfasst, geprüft und archiviert werden, wie das z. B. in der Qualitätskontrolle der Fall ist, ist die Datenintegrität dieser Informationen wichtig. Dies ist bei Kundenaudits und Inspektionen zunehmend ein wichtiger Punkt.

Werden auch Themen wie künstliche Intelligenz eine Rolle bei Vetter spielen?
In den letzten Jahren sind viele neue Technologien entstanden, die sich mit meinem Blick auf die heutige Vetter-Welt in vielen Bereichen anwenden lassen. Ein Thema ist das Maschine-Learning bzw. in ausgebauter Stufe die künstliche Intelligenz. Darin steckt ein ungemeines Potential. Natürlich muss man diese Themen mit Fingerspitzengefühl behandeln und schauen, wo der Einsatz Sinn macht. Ich glaube aber, dass die IT gemeinsam mit der Innovationsabteilung zukünftig noch viele Impulse in diese Richtung geben wird. Die Impulse müssen natürlich einen sichtbaren Nutzen für die Fachbereiche stiften. Technik um der Technik willen wäre der falsche Ansatz.