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Interview

Interview mit Zukunftsforscher Lars Thomsen
Lars Thomsen „WIR SOLLTEN NICHT AUF DIE ZUKUNFT WARTEN, SONDERN SIE MITGESTALTEN“

Zukunftsforscher Lars Thomsen erklärt, warum es wichtig ist, nicht alles auf sich zukommen zu lassen – und warum wir optimistisch nach vorne schauen können.

Herr Thomsen, wieso müssen wir uns überhaupt auf morgen vorbereiten?

Weil wir nur dann die Zukunft aktiv mitgestalten können. Denn was morgen geschieht, ist nirgendwo festgeschrieben. Wenn wir abwarten, was passiert, können wir nur darauf reagieren. Wer aber selbst agieren möchte, sollte bereits heute eine Vorstellung davon entwickeln, wie die Zukunft sein könnte. Das machen wir ohnehin: Zum Beispiel planen wir den nächsten Urlaub und überlegen uns, wie dieser aussehen kann und soll. Man könnte sagen, dass wir hier Zukunftsforschung im Kleinen betreiben.

Was bedeutet es für ein Unternehmen, sich fit für die Zukunft zu machen?

Zu keiner Zeit hat sich so viel so schnell verändert wie heute. In unserer globalisierten Welt wandeln sich Märkte, Technologien, das Konsumentenverhalten – und das alles mit einer sehr hohen Taktrate. Früher bekam man alle 20 Jahre ein neues Telefon, heute alle zwei Jahre. Diese rasanten Entwicklungen bedeuten: Wer heute erfolgreich ist, ist es nicht automatisch auch morgen. Selbst erfolgreiche Unternehmen müssen sich deshalb permanent fragen: Geht es nicht noch besser? Qualität und Knowhow sind und bleiben die Grundlage für unternehmerischen Erfolg. Im Internetzeitalter jedoch ist der Konkurrent oft nur einen Mausklick entfernt. Darum benötigt jede Firma – unabhängig von der Branche – zusätzlich eine Innovationsstrategie, um sich von den Mitbewerbern abheben zu können.

Wie wird sich die Arbeitswelt in den kommenden zehn Jahren verändern?

Künstliche Intelligenz wird Einzug in unser Arbeitsleben halten. Mitdenkende und mitlernende Computer werden Routinetätigkeiten übernehmen, etwa die Koordination von Terminen, das Beantworten von E-Mails oder die Recherche von Informationen aus Publikationen. Darüber hinaus wird die Automatisierung, Digitalisierung, und Roboterisierung weiter zunehmen. Das heißt aber nicht, dass der Mensch dadurch überflüssig wird. Diese Befürchtung ist schon seit der Industrialisierung unbegründet. Vielmehr werden die Aufgaben der Menschen aufgewertet. Das bedeutet aber auch permanentes Lernen für jeden von uns. Lernen hört nicht mit dem Abschluss von Schule oder Ausbildung auf, sondern ist eine kontinuierliche Aufgabe bis zum Ende der Arbeitszeit. Und das ist gut so: Ich bin der Meinung, dass ein gewisses Maß an Veränderung das Leben interessant hält.

Was wird uns die Zukunft bringen? Und wie blicken Sie ganz persönlich nach vorne?

Bisher haben wir Menschen es geschafft, unser Leben durch Innovationen immer angenehmer, komfortabler und lebenswerter zu gestalten. Das gelingt aber nur, wenn wir unser Denken und Handeln entsprechend ausrichten. Ich als Zukunftsforscher bin Optimist: Die Wertegemeinschaft der Menschen ist recht stabil. Ein Beispiel: Wer hätte vor wenigen Jahren gedacht, dass Menschen wildfremden Personen erlauben, in ihrer Wohnung zu übernachten? Verschiedene Buchungsplattformen beweisen heute, dass das funktioniert und wir uns vertrauen können. Eines sollten wir aber nicht vergessen: Zu einer positiven Zukunft gehört auch, dass wir glücklich, zufrieden und gesund sind – jeder für sich selbst und in seinem sozialen Umfeld.


Lars Thomsen

Der Gründer des SchweizerThink Tanks „future matters“ gehört zu den weltweit führenden Zukunftsforschern. Der gebürtige Hamburger berät Unternehmen, Institutionen und regierungsnahe Organisationen bei der Entwicklung von Zukunftsstrategien. Rund 30 Prozent seiner Zeit verbringt er auf Explorationen und Forschungsreisen in aller Welt.