Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Interview

Im Gespräch mit Jörg Zimmermann, Vice President Vetter Development Service, zum Thema "Berufsbild Apotheker in der Industrie"
Jörg Zimmermann

Im Gespräch mit Jörg Zimmermann, Vice President Vetter Development Service, zum Thema "Berufsbild Apotheker in der Industrie"

Herr Zimmermann, erzählen Sie uns etwas über die beruflichen Möglichkeiten eines Apothekers in der pharmazeutischen Industrie.

Das Pharmazie-Studium ist grundsätzlich sehr breit aufgestellt. Daraus ergeben sich viele Einsatzmöglichkeiten von Apothekern in der Pharmaindustrie. Vor allem im Bereich der pharmazeutischen Verfahrenstechnik, sprich der Technologie zur Herstellung von Arzneimitteln. Hier verfügen Apotheker über Wissen und Know-how, das Absolventen aus anderen Studienrichtungen meist nicht vorweisen können. Ein echtes Alleinstellungsmerkmal also. Außerdem setzen sie sich bereits während ihres Studiums intensiv mit der Thematik zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen auseinander. Verantwortungsbewusstsein und höchste Qualität spielen dabei eine wesentliche Rolle. Das sind alles Faktoren, die auch für Vetter von großer Bedeutung sind. Pharmazie-Studenten werden in diesem Bereich schon umfassend vorsensibilisiert.

In welchen Bereichen können Industrieapotheker bei Vetter tätig sein?

Das ist sehr unterschiedlich. Je nach Vorqualifikation, Erfahrung und Interesse können Apotheker bei uns in der Produktion, in der Qualitätskontrolle, in der Qualitätssicherung, im regulatorischen Bereich oder in der Entwicklung tätig werden. In der Produktion können sie zum Beispiel als Teammanager im Bereich der Arzneimittelherstellung arbeiten. In der Qualitätskontrolle können sie bei der Prüfung von Ausgangsstoffen, Packmitteln und Fertigprodukten in verantwortlicher Rolle tätig sein. Im Bereich der Qualitätssicherung / Zulassung erstellen sie unter anderem wissenschaftliche Berichte, setzen Änderungsanträge um, beurteilen neue Wirkstoffe oder bewerten Abweichungen bei der Herstellung. Und in der Entwicklung erarbeiten sie neue Verfahren und qualifizieren diese für die Produktion. Außerdem sind Apotheker bei uns oft in leitenden Positionen tätig – etwa als Produktions-, Abteilungs- oder Bereichsleiter.

Wie kam es, dass Sie sich für eine Karriere in der pharmazeutischen Industrie entschieden haben?

Ich habe während meines Studiums ein viermonatiges Praktikum bei der Firma Sandoz in Basel absolviert – in der analytischen Methodenentwicklung. Bei dieser Gelegenheit konnte ich mir zum ersten Mal ein Bild davon machen, welche Möglichkeiten die Pharmaindustrie bietet. Interessanterweise habe ich dort auch erstmals von Vetter als Pharmadienstleister für die aseptische Abfüllung von Injektionssystemen gehört. Als dann an der Uni Freiburg eine Stelle bei Vetter für das praktische Jahr ausgeschrieben wurde, habe ich mich beworben und wurde genommen. Seitdem bin ich bei Vetter. Das ist jetzt 23 Jahre her.

Wie beurteilen Sie die Promotion für den Berufseinstieg? Kann man auch ohne Doktortitel Karriere in der pharmazeutischen Industrie machen?

Nun, ich kann da nur für unseren Bereich sprechen. Aus meiner Sicht zeigt ein Bewerber mit seiner Promotion, dass er selbstständig und wissenschaftlich arbeiten kann. Das hilft bei der Umsetzung oder Beurteilung mancher Prozesse, ist aber kein Muss. Man kann also bei Vetter auch ohne Doktortitel Karriere machen. Bei vielen anderen Unternehmen ist das teilweise anders. Grundsätzlich hat man bei Vetter sehr gute Entwicklungschancen, ob mit oder ohne Promotion. Wir haben diverse maßgeschneiderte Angebote im Bereich der Weiterbildung, bei denen jeder die Chance hat, sich einzubringen, mitzuwachsen und Expertise zu erlangen. Vetter stellt sich auch zunehmend internationaler auf, so dass hier entsprechend immer mehr Möglichkeiten entstehen – auch für Einsteiger mit pharmazeutischem Hintergrund.

Wie beurteilen Sie die vorherrschenden Rahmenbedingungen in der pharmazeutischen Industrie im Vergleich zur Apotheke?

Meiner Meinung nach sind die Rahmenbedingungen für Apotheker in der Pharmaindustrie exzellent, weil man als Angestellter zum Beispiel gute Entwicklungsmöglichkeiten hat. Wie bereits erwähnt, sind die Einsatzmöglichkeiten sehr vielfältig und die Tätigkeiten relativ abwechslungsreich. In der Apotheke gibt es da wesentlich deutlichere Grenzen, wenn man nicht selbst eigenverantwortlich eine Apotheke leiten will.

Aufgrund der vielfältigen Karrieremöglichkeiten fällt es vielen Studierenden schwer, eine Entscheidung für den richtigen Weg zu treffen. Welche Tipps haben Sie?

Es gibt da keinen Königsweg. Was ich empfehlen kann, ist: Augen offen halten, neugierig sein und vieles ausprobieren. Zum Beispiel in Form von Praktika, Auslandsaufenthalten oder anderen Aktivitäten, die einen als Bewerber attraktiv machen. Ich denke, nur so kann man herausfinden, was einen wirklich interessiert.

 

Vita Jörg Zimmermann

Der studierte Pharmazeut (Studium in Freiburg sowie Cardiff, Großbritannien) startete 1994 seine Karriere bei Vetter als Assistenz der Produktionsleitung. Seine ersten Aufgaben lagen im Bereich der Prozessentwicklung und Einführung neuer Produkte mit dem Schwerpunkt auf der Entwicklung innovativer Verfahren zur Lyophilisierung (Gefriertrocknung). Anschließend war er über 10 Jahre als Abteilungsleiter für den Vetter Produktionsstandort in Langenargen verantwortlich. 2010 übernahm er den Posten des Director Process Development and Implementation und wurde 2014 zum Vice President des Vetter Development Service ernannt. Er ist damit verantwortlich für die pharmazeutische Prozessentwicklung und -qualifizierung, die Entwicklung von Verpackungskomponenten, den analytischen Methodentransfer sowie die Stabilitätsstudien bei Vetter. Im August 2016 wurde Jörg Zimmermann in den Verwaltungsrat der International Society for Pharmaceutical Engineering (ISPE) gewählt.